Die Sicht der Dinge

13.06.2017

Wenn ich als junger Mensch die Chance bekäme, bei einem internationalen Marktführer der Modebrache zu arbeiten, würde ich auch nicht lange zögern. Kaum eine Firma hat sich in den letzten Jahren so rasant entwickelt und ist vergleichbar gewachsen. Eine Plattform für unzählige spannende Arbeitsplätze, schnelle Aufstiegschancen, einem coolen Umfeld unter dem anziehenden Thema Mode! Wer nähme da nicht in Kauf, dass Einiges in Sachen Strukturen und Prozesse dem Wachstum untergeordnet wurde und so einige Bereiche im Nebulösen verbleiben, was ihre Daseinsberechtigung, Aufgabenbeschreibung und Schnittstellen angeht. Das mag zu Beginn der Arbeit kein Problem sein, weil man sich erst einmal mit allem vertraut machen muss. Nach kürzester Zeit aber stellen sich die Fragen: Wo sind die Grenzen meines Arbeitsbereiches? Was soll ich machen und was nicht? Manch einer braucht eine klar vorgegebene Grenze, manch einer will sie selber finden oder neu definieren. Mitunter mag sich aber auch eine Haltung verbreiten, bei der die Verantwortung eher an andere abgegeben wird, als sie selber zu übernehmen.
In unserem Fall haben drei Teamleiter, wie Galionsfiguren für ihre Teams gekämpft. Sie sind verantwortungsvoll voran geschritten, und haben sich mutig auf die Suche begeben, den Platz ihres Teams in dem Konzern zu finden und für alle sichtbar zu machen.

Das ist der Moment, in dem wir als Coaches ins Spiel kommen.

Drei Teams, mit unterschiedlichem Fokus, aber derselben Problematik, die alle miteinander arbeiten. Junge, ambitionierte Menschen aus aller Herren Länder mit unterschiedlichsten Lebensläufen sind zu einem Offsite-Workshop in einem coolen Fabrikloft in Berlin Kreuzberg eingeladen, um Profil, Definition und Grenzen ihres Zuständigkeitsbereiches mit zu gestalten. Die Erwartungshaltung der Teilnehmer, eine Antwort auf diese Fragen zu finden, ist deutlich spürbar. Croissants und Kaffee - von den Teamleitern als Starthilfe organisiert - verhelfen zu einem positiven Rahmen, die Agenda ist gut gefüllt - um nicht zu sagen sehr ambitioniert gefüllt.

Der Ansatz heute ein neuer! Nicht nur inhaltlich suchen wir mit den Teams nach ihrem Profil, auch an ihrem Außenauftritt wollen wir arbeiten: Üben wie man sich abgrenzt, wie man auch körperlich und stimmlich mit seinem Auftreten die Grenzen aufzeigen kann, nachdem man sie für sich definiert hat. Aus zwei Perspektiven also. Ein breites Spektrum, das sich an dem Tag zusammensetzt, aus den Perspektiven der Teilnehmer, Teamleiter und Coaches, die dual auf die Situation schauen.

Ein kreativer Start - in Form von kurzen selbstgestalteten Werbeclips für die eigene Abteilung - generiert schnell beeindruckende und visible Ergebnisse zum Selbstbild. Basierend auf diesen bildhaften und emotionalen Zeugnissen ihrer Innensicht, analysieren die Teams nun Ergebnisse einer vorher erfolgten Umfrage bei den internen Kunden. Wie zufrieden sind unsere internen Kunden eigentlich mit dem, was wir Ihnen zuliefern? An welchen Stellen stimmen unsere gegenseitigen Erwartungen überein und wo nicht? Wo machen wir aus deren Sicht vielleicht zu viel und wo zu wenig?

Im dritten Block unseres Workshops gehen die Teams anhand von Rollenspielen durch typische Konfliktsituationen mit ihren Partnern aus anderen angrenzenden Abteilungen und versuchen, jeweils wechselnde Perspektiven einzunehmen. Die Insights über die eigenen Instrumente und Wirkungen eines solchen „Außenauftrittes“ aber auch über das, was der interne Kunde wohl empfindet, sind stark und nachhaltig, da sie in den Rollenspielen eindrücklich „erlebt“ werden.

Im letzten Block führen die Teilnehmer nun alle Insights der ersten drei Blöcke zusammen zu einem Zielbild. Wer sind wir? Wie wollen wir wahrgenommen werden? Und was müssen wir dafür tun? Die Teams stellen fest, dass ihre Sehnsucht, diese Fragen in „einem einfachen Satz zu beantworten “ nicht einfach zu befriedigen ist. Am Ende stehen jene Kernsätze am Flipchart, die diesem Ziel am nächsten kommen und mit denen das Team weiter arbeiten will.

Drei Teams, mit viel Potential, die enorme Kreativität besitzen, die die Chance haben mit drei tollen Teamleitern ihren Wirkungsbereich mit zu gestalten. Ihnen werden keine Grenzen vorgeschrieben, sie dürfen mit herausfinden , wo Schnittstellen, Grenzen, Steigungen und Täler sind. Eine Situation, die vor dem Workshop eher frustrierend und unwägbar erschien, hat sich über den Tag in eine Chance verwandelt, Wege mit zu gestalten und aufzubauen. Natürlich ist damit auch verbunden, Verantwortung zu übernehmen und sich womöglich auch mal zu verirren, aber es schafft neben einem packenden Teamgeist auch Verbundenheit mit dem Unternehmen. Und zwar als gestaltender mitwirkender Teil dessen und nicht nur als einer der vielen, die dort das tun, was ihnen gesagt wird. Sie hatten zumindest an diesem Tag den Mut, sich die unterschiedlichen Perspektiven ihrer internen Kunden und Kollegen anzusehen, zu diskutieren und zu visualisieren und nehmen ein Stück davon mit in den Arbeitsalltag.

Von Julia N. Weiss und Eva-Christine Bode

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