Leuchten wie die Kinder

20.05.2019

„Wir sind alle bestimmt zu leuchten, wie es die Kinder tun.“ diese Worte von Nelson Mandela kamen zu mir, als ich gerade das Executive Coaching mit einem Bereichsleiter aus der Finanzindustrie beendet hatte. Wir hatten über unsere inneren Anteile und Haltungen (Kind-Haltung, Eltern-Haltung, Erwachsenen Haltung) gesprochen. Und welche Haltung die nützlichste ist, um sich im heutigen herausfordernden Umfeld zu behaupten, denn, während es in der Transaktionsanalyse um eine Integration der drei Anteile geht, nutzen wir im Coaching die Kraft der Erwachsenen-Haltung, um uns selbstwirksam, großzügig, mutig und mit Freude an der Erfahrung Ziele zu setzten und zu verfolgen.

Dabei hatten wir unter anderem besprochen, woher die beiden Haltungen Kind/ Eltern kommen und warum sie tief in unserer hierarchischen Gesellschaftsordnung verankert sind. Mein Klient, nennen wir ihn Sebastian, hatte sich dann zwischenzeitlich gefragt, ob es Lieblingshaltungen gibt oder ob es tatsächlich in jedem Menschen angelegt ist, auf entspannte Art und Augenhöhe mit Anderen zu kooperieren - ohne die eigenen Ziele aus den Augen zu verlieren. „Aber es gibt doch Menschen, die keine Verantwortung übernehmen wollen und die lieber eine „ohnmächtige“ hilflose Haltung gegenüber dem Vorgesetzten oder der Organisation bevorzugen. Und da muss ich doch elterlich und übernehmend sein, sonst läuft gar nichts!“. Und ich frage ihn „Wirklich? Haben Sie es schon anders probiert?“ Wir vereinbaren ein paar einfache Verhaltensänderungen, die er in der Interaktion mit einem besonders passiven Mitarbeiter ausprobieren möchte.

Als wir uns 6 Wochen später Wiedersehen, kommt er gleich zum Punkt: „Ich habe ein ganz neues Miteinander mit Kai gefunden. Wir spielen nicht mehr das Spiel „ich überzeuge ihn, was wir tun müssen und liefere auch das Rezept dazu. Ich frage ihn, was er glaubt, wie wir bestimmte Ziele gemeinsam erreichbar machen. Ich frage ihn, welche Vorgehensweise sich in seiner Erfahrung bewährt hat. Und wir überlegen gemeinsam, welche Ressourcen es benötigt, um diese Pläne belastbar zu machen. Sogar für die Zielkontrolle auf dem Weg hatte er eine eigene Idee. Sebastian gesteht, dass diese Vorgehensweise ihm erst unwahrscheinlich ineffizient vorkam - er hätte dem Mitarbeiter auch direkt alles vorgeben können. Und er hatte natürlich große Sorge, dass er so seine ohnehin sehr ambitionierten Bereichsziele nicht erreichen würde. Deshalb wendete er am Anfang seines neuen Kooperations- und Führungsverhaltens deutlich mehr Energie und Zeit für diesen Mitarbeiter auf. Ich frage Sebastian, ob sich aus seiner Sicht das „Invest“ dennoch gelohnt habe. Er bejaht vehement - endlich habe er Aussicht auf ein vollwertiges selbständig mitdenkendes Teammitglied. Natürlich würden sie ab und an noch in alte Muster verfallen, „aber seit den ersten positiven Erlebnissen kommt Kai auch immer mehr auf den Geschmack, natürlich bleibe ich noch eng an ihm dran, aber ich habe das Gefühl, das brauche ich bald gar nicht mehr.“ Wir enden diesmal unsere Sitzung mit der philosophischen Frage, ob denn selbst Kinder die kindlich Haltung nicht einnehmen wollen? Sebastian und ich denken über unsere Erfahrungen mit unseren jeweiligen Familien nach: ja, Kinder dürfen natürlich Kinder sein und müssen vor vielem noch beschützt werden. Aber sobald sie über die nötigen Fähigkeiten und realistischen Selbsteinschätzungen verfügen, sind sie oft viel näher dran an einer erwachsenen Haltung als wir. Mutig, neugierig und dem Leben zugewandt. Im Vertrauen auf die eigenen Fähigkeiten und auf ein wohlwollendes Umfeld. Kinder lieben es, selbstwirksam zu sein, selber zu entscheiden, zu spüren, dass sie Dinge ausprobieren und ihre eigene Lernkurve nehmen können. Dinge die wir im Erwachsenenalter oft verlernt haben.

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